Morgens war es unangenehm schwül-warm. Nach dem Frühstück machten wir mit Alma einen Spaziergang am Ufer der Saale entlang in Richtung Saale Schlucht.  Das Ufer ist von einem parkartigen Grünstreifen gesäumt und ist sehr einladend für Spaziergänge. Es herrschte schon ein munteres Treiben von Familien, Joggerinnen und Spaziergängerinnen. 

 

 

Treppen führten zu den Saaleklippen empor. Mit Alma machten wir auf halber Höhe halt, da sie nicht unnötig Treppen steigen soll. Klaus stieg ganz nach oben und schaute zum Fluss hinab.

 

Danach kehrten wir zum Womo zurück und Regina machte sich auf den knapp 1 km langen Weg zum Museum für Vorgeschichte.



Genau um 10 Uhr erreichte ich das Museum, die Türen wurden gerade geöffnet. Es dauerte etwas bis ich meine Eintrittskarte erhalten hatte, da einige Besucherinnen vor mir dort waren und die Kassiererin kein Wechselgeld hatte. Mit Scheckkarte kam ich dann aber doch noch ins Museum. 

Ausstellungsflächen gibt es auf drei Ebenen. Im Erdgeschoss war eine Ausstellung über „die Schamanin“ zu sehen. Im ersten Stock gibt es u.a. etwas über die Römerzeit zu sehen. Aber im 2. Stock wird u.a. über die Bronzezeit und damit über die „Himmelsscheibe von Nebra“ informiert. Ohne abzuschweifen stieg ich gleich nach ganz oben und begann sogleich den Rundgang. Es gab Knochenfunde, Keramiken, Werkzeuge, Skelette von Tieren u.a. eines Wollnashorns zu sehen. Beeindruckend war die Rekonstruktion eines Riesenelefanten, der aus einer Wand herauszutreten schien.  Es war ein wahrhaft riesiges Tier. Auffallend viele menschliche Skelette in der jeweiligen Begräbnissituation waren zu sehen. In Gruppengräbern lagen die Knochen nach Geschlechtern getrennt im Familienverbund. Allerdings lagen Kinder unabhängig vom Geschlecht bei ihren Müttern. DNA Analysen hatten das ergeben. 

Alle Exponate waren sehr übersichtlich ausgestellt und mit Erklärungen versehen, die gut lesbar und verständlich sind.

Schließlich erreichte ich den Bereich der Himmelsscheibe, dem Höhepunkt meines Museumsbesuchs. Auch hier hat mich die Darstellung und die dazugehörigen Informationen überzeugt. Es ist erlaubt, im Museum ohne Blitzlicht zu fotografieren. Daher habe ich die Informationstafeln fotografiert und verzichte auf Erläuterungen. Berichten kann ich nur, dass ich vor einem Schaukasten stand und eine Himmelsscheibe ganz für mich alleine betrachten konnte. Es war ein faszinierender Anblick, der aber nur kurz dauerte.  Als eine Führung vorbei kam, wurde gesagt, dass dies mitnichten das Original sei. Nun war ich aber gespannt wo sich die „echte“ Himmelsscheibe befand.  Ein bisschen musste ich mich gedulden, durfte dafür aber an den Erläuterungen der Führung teilhaben, bis wir in eine. völlig dunkle Abseite gingen, in der allein die einzig wahre und echte „Himmelsscheibe von Nebra“ ausgestellt ist. Es war noch einmal ein schöner Moment, vor der Scheibe zu stehen. Der Unterschied zu der ersten Scheibe, dem Duplikat, besteht darin, dass beim Original an der linken Seite ein Goldbogen fehlt, der früher einmal dort gewesen ist, wie Spuren belegen.  Es ist sehr beeindruckend die Himmelsscheibe und damit die älteste konkrete Darstellung des Kosmos zu sehen. Der Museumsbesuch ist sehr zu empfehlen.

 

 

Die Original-Himmelsscheibe



Anmerkungen zum unteren Goldbogen

 

 

Anmerkungen zu den seitlichen Goldbögen

 

 

Die himmelskundlichen Informationen in der Scheibe



 

Klaus war mit Alma am Womo geblieben und ich wollte die beiden auch nicht zu lange auf mich warten lassen, daher kehrte ich zurück zum Auto. Gerade als ich dort ankam begann es zu regnen.  Der heutige Parkplatz hatte zwar einige Plätze, die ausdrücklich für Wohnmobile vorgesehen sind.  Andere Service-Angebote gibt es aber nicht.  Das Auffüllen des Wasserbehälters wäre heute aber von Vorteil.  Die einzige Möglichkeit war eine am Parkplatz befindliche WC-Anlage.  Leider konnte ich unseren Wassertransportkanister nicht unter den im WC-Bereich befindlichen Wasserhahn schieben.  Aber mit einem 0,5 Liter Messbecher gelingt es auch in kleinen Schritten einen 20 Liter Kanister zu füllen.

Wenig später verließen wir Halle und fuhren nach Goseck,
um das dortige Sonnenobservatorium zu besichtigen.
Goseck liegt 50 km südlich von Halle.

 


In Goseck fanden wir erst den Parkplatz vom Besucherzentrum und auch den Campingplatz nicht. Den Campingplatz gibt es nicht mehr, dafür aber Parkplatz und Besucherzentrum im Schloss Goseck.

Den gebührenfreien Parkplatz haben wir heute ganz für uns.


Die Kreisgrabenanlage in Goseck ist deutlich kleiner als in Pömmelte, dafür aber auch 3500 Jahre älter.  In Europa sind bisher ca. 200 solche Kreisanlagen gefunden worden.



Im Gegensatz zu Pömmelte ist der innere Ring, genauso wie der äußere, nicht durchsehbar.




Die im Besucherzentrum aufbereiteten Informationen sind sehr interessant, da sie zeigen wie bei der Aufbereitung und Erforschung der Anlage vorgegangen wurde. Zuerst hatten Luftaufnahmen einen Kreis in der Landschaft deutlich gemacht.

Der Kreis zeigt sich hier als dunkle Linie. Die hellen Flächen rechts daneben sind dagegen durch landwirtschaftliche Veränderungen entstanden.


Auch magnetische Bodeneigenschaften lieferten wichtige Erkenntnisse.

 

 

Dann wurde in geringer Tiefe gegraben und dabei Funde gesammelt. Anschließend wurde etwas tiefer gegraben und es wurden mehr Funde gesammelt, was zu systematischen Grabungen führte. Es handelt sich um eine kreisrunde Anlage mit einem Durchmesser von 70 Metern, damit ist der Kreis deutlich kleiner als der von Pömmelte. Der innere Bereich ist mit eng beieinander stehenden Holzpfeilern von einem äußeren Graben abgetrennt. Öffnungen in dem hölzernen Kreis lassen die Sonne zur Winter- bzw. Sommersonnenwende bei Sonnenaufgang bzw. -Untergang durchscheinen.  


Vor 7500 Jahren
Vor 7000 Jahren
Hunderte Jahre später siedeln sich hier Menschen an, die einer anderen Kultur zugerechnet werden.
In der Bronzezeit ist die Kreisanlage schon wieder verschwunden.

 

Randvoll mit Informationen über die Bronze- und Steinzeit kehrten wir zum Womo zurück und müssen die vielen Eindrücke erstmal verarbeiten.